in den gängigen Hit-Listen
ganz nach vorne zu gelangen, war mein Plan dieses Mal ein anderer. Hits
der 70er, 80er und 90er schienen mir beim Großteil der Radio hörenden
Massen gut anzukommen. Daran wollte ich mir nun ein Beispiel nehmen und
ebenfalls "Hits der 70er, 80er und 90er" zu Papier bringen.
Ob dies gelang, müssen die werte Hörerin und der werte Hörer
entscheiden. Ich für meinen Teil bin der Überzeugung, dass zumindest
die Richtung stimmt und mir hoffentlich bald die schweren, eisenbeschlagenen
Türen der Radio- und Fernsehstationen weit offen stehen werden. Seit
langem wünsche ich mir nichts sehnlicher, als endlich diese zu durchschreiten,
um von jungen adrett gekleideten Moderatorinnen mittels gezielter und
in die Tiefe gehender Fragen dazu angeregt zu werden, meine persönlichen
Ansichten zum Zeitgeschehen auch einer breiten Öffentlichkeit kund
tun zu können.
Einen Wermutstropfen im gedanklichen Gefüge meiner Vorgehensweise
gibt es allerdings: Die Plattenindustrie befindet sich in einer bedauerlichen
Krise; was zur Folge hat, dass ich meine finanziellen Vorstellungen im
Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Albums - aller Wahrscheinlichkeit
nach – nach unten zu korrigieren gezwungen sein werde. Macht aber
nix! Schlussendlich gibt es auch noch Wichtigeres auf der Welt als Geld.
Wohlstand zum Beispiel, tolle Klamotten, schnelle Autos und so weiter.
Ausserdem existieren noch andere Organisationen zum Wohle des Künstlers.
Nehmen wir zum Beispiel die Gesellschaft für musikalische Aufführungs-
und mechanische Verfielfältigungsrechte, welche seit Jahren für
die Verteilung unglaublicher Geldsummen von unten nach oben sorgt. Oben
angekommen ist sie dann folglich ein unentbehrlicher Partner in Sachen
Big Business und Altersvorsorge. Doch zurück zu den Aufnahmen. Auf
Grund harscher Kritik von verschiedenen Seiten bezüglich der Veröffentlichung
der CD "Zur Lage im Wetterstein", die Instrumentierung betreffend,
entschloss ich mich, die fertig gestellten Partituren zu "Im tiefen
Tal der Willenlosen" zu erweitern. So hoffe ich, den Hörgewohnheiten
des interessierten Publikums entgegen zu kommen. Alle hinzu gefügten
Instrumente wie E-Piano, E-Bass, E-Orgel, E-Vibraphon usw. wurden von
mir persönlich eingespielt. Aus gewerkschaftlicher Sicht sicherlich
ein Fehler; jedoch aus budget-technischen Gründen nicht anders zu
bewerkstelligen. Des Weiteren, und dies ein Novum, erklingt meine Stimme
in der Komposition "Jammertal". Nur so war es mir möglich,
auch textlich mein Wollen und Fühlen zum Ausdruck zu bringen.
Zu guter Letzt bleibt zu hoffen, dass diese Worte und natürlich die
Musik den Verantwortlichen der marktführenden Konzerne zu Augen beziehungsweise
in die Ohren kommt und diese veranlasst, mich begeistert in den erlauchten
Kreis der ganz Großen aufzunehmen.
Berlin, im April 2004
Yamaha DT 125
Eines Morgens bekam ich von
Charly einen Spezialauftrag zugewiesen. Das Versorgungsfahrzeug, welches
dazu diente, die Waren des täglichen Bedarfs über holprige Forstwege
hinweg zum Umschlagplatz zu transportieren, war reparaturbedürftig.
Bei Linkskurven war ein merkwürdiges Geräusch zu vernehmen.
Nun, da nur vier Hubschrauberversorgungsflüge pro Saison möglich
sind, und alle übrigen Güter zunächst mit dem Auto bis
zu besagtem Umschlagplatz und von dort mit dem Motorrad einen Gebirgspfad
entlang bis zur Hütte transportiert werden müssen, lag die Dringlichkeit
meines Auftrags auf der Hand.
Zunächst hatte ich etwa eineinhalb Stunden Weges zu Fuß zu
bewältigen, und noch eine weitere Stunde mit dem geschundenen Gefährt
über, mit der Kirche ums Dorf führende Waldwege bis nach Garmisch-Partenkirchen
zur Werkstatt.
Die Ansage war: Auto an den Mechaniker übergeben, einige Kleinaufträge
in der Stadt erledigen, dann mich zu einem geheimen Ort in der Nähe
vom `Lenzn‘ Wirt´ begeben und die dort abgestellte Maschine,
eine Yamaha DT 125, direktemang zum Umschlagplatz zu überstellen,
10 Kilo dort gelagerte Butter in den Rucksack packen und die eineinhalb
Stunden via Bockhütte wieder zu Fuß zurück zu legen.
Es war ein unwahrscheinlich heißer Tag, und als ich endlich beim
`Lenzn‘ Wirt´ eintraf, war ich bereits schweißgebadet.
Schon viele Jahre lang war ich auf keinem Motorrad mehr gesessen, machte
mich folglich zunächst mit den vielen am Fahrzeug angebrachten Hebeln
vertraut. Aha, Kickstarter, Handbremse, Kupplung, Schaltung – wie
war das noch Mal? – ach ja, erster Gang nach unten. Nach mehreren
Versuchen gelang es mir dann, die Maschine zu starten und los ging’s.
Zunächst einen steilen Anstieg empor, hinauf zur Partnachalm, dann
weiter, über verschlungene Pfade in Richtung wartende Butter.
Was ich bei der Entgegennahme meines Auftrags nicht bedacht hatte: ich
fand einen unglaublichen Gefallen daran, auf diesem motorisierten Zweirad
die Forstwege entlang zu jagen. Sollte der Spaß schon am Umschlagplatz
sein jähes Ende finden? Nein, beschloss ich, während ich im
Rausche der Geschwindigkeit, erfüllt von Freude, so dahin brauste.
Wie gesagt, es war sehr heiß an diesem Tage und diese Tatsache fügte
ich in meine Argumentationskette, mit welcher ich mein nun folgendes Vorgehen
Charly gegenüber begründen wollte. Am Umschlagplatz packte ich,
wie angeiwesen, die Butter in den Rucksack, setzte meinen Weg aber nicht
zu Fuß fort – die Butter wäre mit Sicherheit versoßt
– sondern schwang mich wieder auf die DT 125 und stob davon.
Nun war es so, daß die vor mir liegende Strecke nur von geübten
Fehrern bewältigt werden kann, und ein solcher war ich wahrlich nicht.
So überkam mich ein leiser Schauer, als ich, bereits die ersten Hindernisse
bewältigend, die wirklich schwierigen Passagen, die da noch kommen
sollten, vor meinem geistigen Auge Revue passieren ließ.
Jedoch, alles lief wie am Schnürchen. Vorüber an der Bockhütte,
die dort beginnende Gerade quasi volley genommen, den mit Steinen übersäten
Hohlweg zur Blauen Gumpe bravorös gemeistert, selbst den mit Eisenplatten
versehenen Stich, der wohl schwierigsten Stelle zwischen Gumpe und Hütte,
im zweiten Anlauf bezwungen, war ich gedanklich schon am Ziel, als ich
an einem eher unbedeutenden Anstieg den Motor abwürgte.
Da stand ich nun – mitten im Hang. Der Schweiß rann in Strömen.
Hilflos war ich nur darauf bedacht, nicht umzukippen. Dahin der Traum
von der glorreichen Heimkehr und die daraus resultierende Aufnahme in
die Reihe der Bezwinger der Route.
Da, aus heiterem Himmel tauchte ein Mountainbiker vor mir auf. Auf mein
flehentliches Bitten hin, half er mir das Gefährt zu einer halbwegs
ebenen Stelle zu schieben und entschwand genauso schnell wie er gekommen
war. Ich schöpfte wieder neuen Mut, noch war also nichts verloren.
Ich unternahm einen neuen Versuch, die Maschine wieder zum Laufen zu bringen,
was mir dummerweise nicht gelang. Nach etwa 15-20 Fehlschlägen, schon
in Wut den Kickstarter betätigend, hatte selbiger genug und brach
einfach ab. Was für ein Jammer – das war das Ende.
Allerdings war keine Zeit zum Lamentieren. Um die zuvor mühsam zusammengefügte
Argumentationskette nicht ad absurdum zu führen, musste ich sofort
los laufen, der Butter wegen. Das Motorrad ließ ich zurück,
eine Gefahr, jedwelcher Art, bestand für selbiges nicht.
Für mich war der Tag gelaufen, und ich unternahm bis zum heutigen
Tage keinen weiteren Versuch mehr, die Strecke per Motorrad zu bezwingen.
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